3. Beschreibung – Ein Modell zum kompetenzorientierten Unterricht

Dieses Modell dient nicht nur als Planungsinstrument, sondern auch als Kommunikations- und Reflexionsmittel zur effektiven Auseinandersetzung mit dem Unterricht. Dabei wird die kumulative Kompetenzentwicklung stärker in den Mittelpunkt gerückt und Schwerpunkte des Unterrichts festgelegt.

Nunmehr werden die einzelnen Aspekte des Kreislaufs näher betrachtet.

Da es sich bei dem Modell um einen Kreislauf handelt, kann mit der Planung des Unterrichts an jeder Stelle begonnen werden. Um jedoch den Fokus auf der Kompetenzförderung aufzuzeigen, beginne ich bei dem Punkt KOMPETENZ. Soll nun eine Unterrichtsreihe oder Stunde gestaltet werden, in der im Fokus eine Kompetenzförderung steht ist dem Lehrenden der Raum freigestellt, welche Kompetenz er z.B. in der Unterrichtsreihe fördern möchte. Natürlich gib es Vorgaben in den Bildungsstandards und Rahmenlehrplänen (welche an einer anderen Stelle hinterfragt werden sollten), aber meiner Meinung nach auch sehr viele Freiräume, da es sich ja schließlich um Kompetenzen handelt, welche einer Person helfen bestimmte Problemsituationen zu hinterfragen und zu bewältigen und nicht um spezielle Inhalte die vermittelt werden müssen. Nehmen wir dazu ein Beispiel aus dem Mathematikunterricht einer 8. Klasse. Wie sinnvoll ist es von einem Inhalt auszugehen? Können Sie sich noch daran erinnern, wie das Volumen eines Quaders zu berechnen ist? Wie oft haben Sie die Berechnungen ausserhalb der Schule bzw. der 8. Klasse durchgeführt? Wenn ich Ihnen die Seitenlänge vorgebe, dann recherchieren Sie im Internet nach einer Formel oder einem Applet welches Ihnen das Volumen berechnet. Aber haben Sie dann eine Vorstellung über die größe des Quaders? Benennen Sie in Ihrem Alltag Gebäude oder Gegenstände mit dem Begriff? Falls Sie alle diese Fragen positiv beantworten können, dann haben Sie in Ihrer Schulzeit wohl viel gelernt. In meinem Umfeld können nicht viele Personen das Volumen auf Anhieb berechnen oder haben gar eine Vorstellung von einem Quader. Wozu auch? Wenn das heutzutage so ist, warum muss ich als Lehrkraft nun diesen Inhalt überhaupt unterrichten? Für die wenigen Mensche die ein gutes Gedächnis haben? Ist es nicht sinnvoller die Schüler ein eigenes Modell eines Hauses entwerfen zu lassen, wo die Inhalte zwar eine Rolle spielen (Flächeninhalts- und Volumenberechnungen) aber nicht den Schwerpunkt bilden? Bei der Gestaltung werden individuelle Ideen und Erfahrungen berücksichtigt, indem z.B. unterschiedliche Grundrisse verwenden werden. Ist eine Förderung des eigenen räumlichen Vorstellungsvermögen nicht viel sinnvoller? Ich möchte an dieser Stelle die zuvor benannten Fragen nicht beantworten, diese sollen Ihnen nur aufzeigen, mit welcher Motivation ich bei der Planung meines Unterrichts ausgehe. Natürlich spielt auch hier das Spiralprinzip oder der zuvor konzipierte Unterricht eine Rolle, da bei den Lernenden schon eine Kompetenzförderung erfolgte. Ob wir nun eine siebte Klasse betrachten, eine neunte Klasse oder einen Grundkurs, spielt dabei keine Rolle. Der Beginn ist somit etwa vergleichbar mit dem Phänomen „Was war vorher da: Das Huhn oder das Ei?“. Der Lehrende kann nun entweder eine Kompetenz aus dem Rahmenlehrplan wählen, nach Vorgabe des schulinternen Curriculums oder sich auf die Interessen der Lernenden beziehen. Wichtig hierbei ist lediglich: Der Lehrende muss sich entscheiden!

Ausgehend von der Wahl der Kompetenz erfolgt die Wahl der STANDARDS. Diese sind von der Kultusministerkonferenz in Form von Leistungsstandards (Die Frage, ob Leistung förderlich ist, um Kompetenzen zu vermitteln sollte auch an einer anderen Stelle hinterfragt werden) in den Rahmenlehrplänen oder den Bildungsstandards formuliert. Hierbei soll nicht diskutiert werden, ob diese formulierten Standards hinreichend sind die angestrebte Kompetenz zu fördern, sondern notwendig und sinnvoll. Es stellt sich somit hier lediglich die Frage, durch welche Lernprozesse die Kompetenz gefördert wird. Im Sinne dieser Prozesse sollen die Lernenden nicht unbedingt wissen oder können, sondern vielmehr z.B. selbstständig umformen, modellieren im Team und erarbeiten. Es spielen dabei nicht die kognitiven sondern vielmehr kommunikative, methodische, personale und soziale Aspekte eine Rolle.

Doch auch die Wahl der Standards reicht nicht aus um mit der Planung des Unterrichts zu beginnen, denn die Lernenden verfügen über unterschiedliche Voraussetzungen, Fertigkeiten und Fähigkeiten. Zusammengefasst jede Lerngruppe, egal wie groß oder klein, ist heterogen. Es ist somit zwingend erforderlich den Kompetenzstand der Lernenden zu DIAGNOSTIZIEREN, und unterschiedliche Kompetenzausprägungen bzw. Kompetenzstufen zu definieren. Dabei reicht nicht aus, die Noten des letzten Test oder der letzten Arbeit zu betrachten, denn meiner Meinung haben sagen diese nicht viel aus. Als Unterstützung finde ich Kompetenzraster mit unterschiedlichen Kategorien und Diagnosematrizen viel sinnvoller. Hierbei werden oft drei Niveaukonkretisierungen angegeben, welche wiederum beliebig viele Differenzierungsmöglichkeiten anbieten.

Natürlich ist die Förderung von Kompetenzen nicht unabhängig mit der Auseinandersetzung mit den Inhalten. Die Inhalte müssen aber so gewählt werden (von den Lernenden), dass sie im Lernprozess die Förderung der Kompetenz unterstützen. Das erfolgt hier durch das Zusammenspiel der drei Aspekte INHALT, METHODE und AUFGABENSTELLUNG. Es werden z.B. Aufgaben so konzipiert und didaktisch aufbereitet, dass sie den individuellen Kompetenzstand der Lernenden berücksichtigen und ausreichend Raum zur individuellen Kompetenzentwicklung beinhalten. Auch die methodischen und inhaltlichen Entscheidungen sind so zu wählen, dass sie prozessorientiertes Arbeiten ermöglichen. Didaktische Prinzipien führen zur Wahl von bestimmten Verfahren und Arbeitsweisen und beschreiben wie der Unterricht ausgerichtet sein kann. Sie sind somit Grundsätze der inhaltlichen und methodischen Gestaltung des Unterrichts und vernetzen die drei Aspekte miteinander. Ob die Wahl hier auf Projektorientierung oder Intelligentes Üben fällt, ist abhängig von der zu fördernden Kompetenz und der damit verbundenen weiteren Faktoren.

Bevor eine längerfristige Kompetenzentwicklung angestrebt wird, werden die drei zuvor genannten Aspekte ANALYSIERT. Dabei ist vor allem zu analysieren, ob die Methode, die Aufgabestellung und der Inhalt sinnvoll sind die Kompetenz längerfristig zu fördern. Eventuell Schwierigkeiten können hier antizipiert und korrigiert werden.

Im Sinne des Spiralprinzips wird die angestrebte längerfristige KOMPETENZENTWICKLUNG der Lernenden, ausgehend von der Diagnose, festgehalten. Dabei können z.B. Standards in Niveaustufen formuliert werden. Dies geschieht ausgehend von der Auseinandersetzung und Analyse der Aspekte.

Abschließend wird der Kreislauf durch die KONKRETISIERUNG DES STANDARDS des Standards geschlossen. Dabei werden konkrete Handlungen der Lernenden beschrieben, welche die Förderung der am Anfang gewählten Kompetenz initiieren. Am Ende kann überprüft werden, ob diese Handlungsschritte den gewählten Kompetenzschwerpunkt fördern.

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