2. Begriff der Schülerorientierung

Der Begriff Schülerorientierung wird in der allgemeinen Didaktik oft als „schillernd“ bezeichnet [Me09]. Denn die Frage, ob man schülerorientiert unterrichten könne und was genau dieser Begriff beinhaltet, wird in der allgemeinen, pädagogischen und fachdidaktischen Literatur schon seit Jahren diskutiert. Durch diese unterschiedlichen Perspektiven und Unklarheiten wird die Handhabung und Umsetzung erschwert.

„Schülerorientierung des Unterrichts heißt zunächst in seiner wörtlichen Bedeutung, das gesamte unterrichtliche Lehren und Lernen, also Zielauswahl, Inhaltsbestimmung und Methodengestaltung des Unterrichts am Schüler auszurichten.“ [Sc01].

Dies ist nur eine mögliche Herangehensweise an den Begriff. Schmidt-Wulffen hat eine Vielzahl an Definitionen und Standpunkten gesammelt [ScWu08] und stellt fest „schülerorientierter Unterricht lässt sich so wenig wie offener Unterricht eindeutig definieren. Dafür sind seine Konturen ebenso vielfältig wie diffus“. Nichtsdestotrotz ist die Frage zu beantworten, welche methodischen und inhaltlichen Entscheidungen notwendig sind, um Schülerorientierung als didaktisches Prinzip im Unterricht zu verwirklichen. Die inhaltlichen Entscheidungen schließen die Interessen und Bedürfnisse der Lernenden ein [Sc02]. Schröder formuliert unter anderem die folgenden Grundforderungen, die bei den methodischen Entscheidungen zu berücksichtigen sind:

  • Thematisierung der Ziele und Inhalte
  • Berücksichtigung individueller Gegebenheiten im Schwierigkeitsgrad und Lerntempo
  • Stärkung der individuellen Fähigkeitsentfaltung
  • Berücksichtigung von Neigungen in Bezug auf bestimmte Sozialformen
  • Kommunikation und Metakommunikation

Schülerorientierter Unterricht soll „den Schülern die Möglichkeit geben, bei der Planung, Gestaltung und Kritik von Unterricht mitzuwirken.“ [Sc02]. Obwohl es keine einheitliche Definition gibt, kann den Aussagen entnommen werden, welche allgemein akzeptierten Aspekte zum schülerorientierten Unterricht gehören. Ein schülerorientiert ausgerichteter Unterricht leistet einen entscheidenden Beitrag zur Förderung der Selbststeuerung, da die Berücksichtigung von Neigungen und Interessen sowie individuellen Gegebenheiten einen Einfluss auf die Zeiteinteilung, die selbstständige Bearbeitung von Arbeitsaufträgen und die Wahl der Sozialformen hat. Diese Dimension lässt sich somit nicht losgelöst vom schülerorientiert ausgerichteten Unterricht betrachten. Weiterhin muss die Förderung der Reflexion gezielt durch Metakommunikationen initiiert werden, indem sich die Lernenden in einer Projektarbeit kritisch mit individuellen Arbeitsplänen auseinandersetzen und diese regelmäßig in Frage stellen. Im schülerorientiert ausgerichteten Unterricht finden Interaktionsprozesse statt, welche Wahrnehmungen, Vorurteile, Handlungsmuster und Einstellungen der Lernenden beeinflussen. Dabei können Konflikte auftreten, die eine Möglichkeit darstellen, den Umgang mit Problemen zu erproben. Ein weiteres Ziel des schülerorientiert ausgerichteten Unterrichts ist die Stärkung und Entfaltung des Selbstvertrauens und das damit verbundene Vertreten der eigenen Meinung [Vo80].

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