6. Analyse und Reflexion der personalen Kompetenzentwicklung

Um die Entwicklung der personalen Kompetenz zu analysieren, kann die individuelle Kompetenzentwicklung eines Lernenden in einem Modell veranschaulicht werden. Dieses Modell zeigt in der horizontalen Ebene den Kompetenzstand vom Anfang bis zum Ende der Unterrichtssequenz und in der vertikalen Ebene die Dimensionen der personalen Kompetenz. Die individuelle Kompetenzentwicklung ist somit von links nach rechts zu lesen. Der gestrichelte Pfeil der Kompetenzentwicklung ist nur bezüglich des zeitlichen Aspekts gradlinig zu deuten. Obwohl die Kompetenzentwicklung der Lernenden nicht einheitlich verläuft, wird der Einfachheit auf eine zyklische Darstellung verzichtet. Die einzelnen Bausteine in dem Modell bilden den Kompetenzstand der Lernenden zu einem bestimmten Zeitpunkt ab und resultieren aus der Analyse der Einschätzungsbögen, aus Beobachtungen und dem Kompetenzraster.

Individuelle KompetenzentwicklungAbb. Eigene Darstellung der individuellen Kompetenzentwicklung eines Lernenden

Hypothese 1: Der Einsatz von Selbsteinschätzungsbögen im Rahmen der Unterrichtssequenz fördert die Dimensionen der personalen Kompetenz.

Die Analyse der personalen Kompetenzentwicklung zeigt offensichtlich eine Förderung dieser auf. Durch Methoden zur Selbstreflexion konnte ich Dimensionen der personalen Kompetenz beobachtbar machen. Die Förderung der Reflexion konnte ich leicht überprüfen, da die Lernenden am Ende der Unterrichtssequenz drei Erfolge begründet formulierten und die eigenen Stärken und Schwächen zunehmend realistischer einschätzten. Bei der Selbststeuerung konnte ich im Vorfeld die Lernenden auf das Vorgehen bei selbstständigem Arbeiten aufmerksam machen und sie teilten sich davon ausgehend in der Projektarbeit die Zeit und Arbeit mit wachsender Sicherheit ein. Die Interpretation der Antworten in den Selbsteinschätzungsbögen gab Aufschluss über die Identität. Die Lernenden wählten schwierigere Aufgaben zur Modellierung und hatten im Laufe der Unterrichtssequenz immer mehr Zutrauen zu sich selbst. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Lernenden mit ihrer Identität, der Selbststeuerung und der Reflexion auseinander gesetzt haben. Dennoch ist der Einsatz der Selbsteinschätzungsbögen nur eine Möglichkeit mit vielen Fehlerquellen, denn es ist unklar, inwieweit andere Faktoren im Unterricht und außerschulische Aspekte zur Förderung beigetragen haben und wie viel Bedeutung der Selbstreflexion in diesem Unterrichtsversuch zugeschrieben werden kann. Schließlich wurde neben der Verwendung der Selbsteinschätzungsbögen der Unterricht in ausgewählten Phasen auch schülerorientiert durchgeführt, was die Förderung ebenso beeinflusst haben könnte. Demnach kann festgehalten werden, dass durch die Möglichkeiten zur Selbstreflexion eine Förderung der personalen Kompetenzen stattfindet, dieses aber kein Alleinstellungsmerkmal für die Kompetenzentwicklung darstellt.

Hypothese 2: Der schülerorientiert ausgerichtete Inhalt fördert die Dimensionen der personalen Kompetenz.

Im Rahmen der Unterrichtssequenz entstanden mehrere unterschiedliche Produkte. Die Lernenden entschieden sich selbstständig für ein Thema, ausgehend von den eigenen Ideen, Interessen und der Einschätzung des Erfolges im Rahmen der Realisierung. Bei diesen Produkten ist zu beachten, dass sie den Endzustand eines Prozesses abbilden. Anhand dieser Ergebnisse lässt sich nicht unmittelbar bestimmen, ob und wie sich der Verlauf der personalen Kompetenzentwicklung entwickelt. Stellt man die einzelnen Produkte gegenüber, so ist ein Anstieg der fachlichen Kompetenz zu erkennen. Das Interesse der Lernenden hat während der Unterrichtssequenz nicht nachgelassen. Da am Ende alle Lernenden ein Produkt abgegeben haben, kann ich auf eine Förderung der Dimension der Reflexion schließen, da die Lernenden sich durch eventuelle zwischenzeitliche kleine Misserfolge nicht beirren ließen und kontinuierliche Bereitschaft zum Entwickeln der Produkte zeigten. Es lässt sich zwar eine Progression der fachlichen und methodischen Kompetenzen feststellen, aber zusammenfassend ist das Produkt kein hinreichender Beleg zur Förderung der personalen Kompetenzen.

Das projektartige Arbeiten und die damit verbundene Selbststeuerung der Zeit- und Arbeitseinteilung konnte ich bei allen Lernenden mit zunehmendem Erfolg diagnostizieren. In der schülerorientierten Unterrichtssequenz wurde beobachtet, dass die Lernenden ein hohes Maß an Frustrationstoleranz aufwiesen, da kleinere Rückschritte oder Probleme keine Auswirkungen auf die Bearbeitung weiterer Aufgaben hatten. Daraus wird abgeleitet, dass die Berücksichtigung der Interessen und Bedürfnisse der Lernenden und die Metakommunikation über die eigenen Stärken und Schwächen in Verbindung mit der Selbstreflexion eine Förderung der personalen Kompetenz ermöglichen, wobei es keinen hinreichenden Beleg dafür gibt. Die schülerorientierten Inhalte und die personale Kompetenz sind nicht voneinander getrennt zu betrachten, sondern stehen in verstärkender wechselseitiger Abhängigkeit, denn die Berücksichtigung von Interessen und Bedürfnissen fördert beziehungsweise stärkt die Zuversicht und Lernmotivation der Lernenden. Ebenso beeinflusst ein ausgeprägtes Selbstkonzept und ein gezielter Einsatz von Lernstrategien die Lösungsmöglichkeiten bei der Bearbeitung von Problemen und Aufgabenstellungen. Zusammenfassend lässt sich die zweite Hypothese dahingehend erweitern, dass schülerorientierte Inhalte in einer wechselseitigen Interaktion mit den Dimensionen der personalen Kompetenz stehen.

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